Kunst bei Querholz 2019

Vier Künstler stellen am Wochenende bei Querholz aus.

BENSHEIM. Werkstattatmosphäre im durchaus wörtlichen Sinn herrschte am Wochenende in den Räumen der Schreinerei Querholz an der Bensheimer Rheinstraße. Vier Künstler hatte der Inhaber Andreas Brosy eingeladen, ihre Arbeiten in einem ungewöhnlichen Rahmen zu präsentieren.

Solche Kunstausstellungen gehören – im Abstand von einigen Jahren – seit langem zum Programm der Schreinerei, die inzwischen seit 30 Jahren besteht. Für die Künstler eine zum Teil neue Erfahrung, für das Publikum die Möglichkeit, Kunst einmal nicht im „White Cube“ wahrzunehmen – so heißt das Ausstellungskonzept, wonach Kunst in weißen Räumen präsentiert wird –, sondern in der profanen Welt zu erleben. Gelingt es dem in der Regel auf eine verfeinerte Wahrnehmung angewiesenen Kunstwerk, sich in einer von großformatigen Maschinen und robusten Werkstoffen geprägten Umgebung zu behaupten? Bei den vier diesmal eingeladenen Künstlern konnte man das durchweg bejahen.

Aus Wurzeln werden Kugeln

Die polierten Kugelobjekte aus Wurzelholz etwa von Thomas Baumgärtner aus Ruppertsecken in der Pfalz bestehen aus den Teilen eines Baumes, die in einer Schreinerei keine Verwendung finden würden. Er gräbt Wurzelstöcke von alten Obstgehölzen aus, entfernt vorsichtig Erde und ausladende Teile und lagert die Kernstücke als vieleckige Körper zunächst für drei bis fünf Jahre. Erst danach kann er sicher sein, dass das Holz sich nicht mehr verwindet, wenn er die regelmäßige Kugelform herausgearbeitet hat.

Eine Herausforderung ist dabei unter anderem das unterschiedliche Rissverhalten von Wurzelausläufern und Stamm – die Bearbeitung ist das Ergebnis, langjähriger Erfahrung mit einigen Rückschlägen. Das fertige Objekt bildet mit einem Objektträger und einer Beleuchtung eine Einheit, bei der die polierte Maserung mit ihrem reichen Farbspiel zur Wirkung kommt, aber auch die vielfältigen Vertiefungen des Wurzelstocks. Gern präsentiert Baumgärtner seine Objekte – anders als in der Natur – mit der Wurzelseite nach oben.

Filigrane Figuren aus Stahl

Jürgen Heinz stellt Stahlplastiken her. Geradezu filigran nahmen sie sich nicht nur neben den großen Maschinen aus, sie sind auch einzeln besehen sehr subtile Fügungen aus dem vermeintlich groben Material Stahl. Die meditativ wirkenden Objekte bestehen aus aufs Äußerste reduzierten geometrischen Formen, die mit millimeterfeinen Abständen ineinander greifen.

In seinem Lorscher Atelier bringt der Künstler, der unter anderem auch auf der ART Karlsruhe vertreten ist, die einzelnen Teile auf langen Stielen in ein genau austariertes Gleichgewicht. Durch minimale Luftbewegungen geraten die Teile in kaum wahrnehmbare Schwingung, bei stärkerer Unruhe wird daraus ein Pendeln, bei dem glockenspielartige Klänge erzeugt werden.

Berit Schmidt-Villnow beobachtet die Menschen und ihre Seelenzustände im Alltag. Ihre Statuetten und Büsten aus dunklem Westerwälder Ton nutzten die Maschinen als reizvolle Podeste, die das organisch geformte Material gut zur Geltung brachten.

Nur sparsam setzt die Darmstädter Künstlerin, wie Heinz Mitglied im BBK Darmstadt, die Farbe ein, mit heller Engobe werden, wenn überhaupt, nur einzelne Partien der Plastiken gefasst. Ihre Darstellungen, etwa von Wartenden, von einem Paar („Du riechst so gut“) oder einem Mann in drei verschiedenen Stadien des Gefangenseins durch sein Smartphone sind Beispiele für eine beeindruckend unpathetische Auslotung menschlicher Emotionen.

Doris Bambach hatte zwei ganz unterschiedliche Gruppen von Bildern mitgebracht. Zeigten die einen ein spielerisches Herangehen an die Strukturen von groben Spanplatten, mit denen zufällig auch der Hallenboden belegt ist, so waren die anderen – Buntstiftzeichnungen auf Papier und Acrylbilder auf Leinwand – feinstrukturierte, zum Teil transparent wirkende Kompositionen. Die Bilder der Bensheimer Künstlerin bewegten sich auf der Grenze zwischen völliger Abstraktion und figürlicher Ausdeutung von vorgefundenen Formen.

Zusätzlich zu den eingeladenen Künstlern zeigte Andreas Brosy auch eigene künstlerische Arbeiten aus Holz, bei denen er die gewachsenen Formen des zum Brett gewordenen Baumes herausstellt, etwa in Form einer Tischplatte oder als effektvolles Lichtobjekt.

Aufs Schönste untermalt wurde die zweitägige Ausstellung am Sonntag mit Jazzstandards vom Trio „The Art of Jazztainment“. Mit Saxofon, Flöte, Gitarre und Cajón wurden die Gäste der gutbesuchten Ausstellung in eine zum Kunstgenuss einladende Stimmung gebracht.

© Bergsträßer Anzeiger, Dienstag, 12.11.2019
Redakteurin: Eva Bambach