Kunst bei Querholz 2008

Max Udo Bauer / Bildhauer, Darmstadt

Jürgen Heinz / Atelier für Metallgestaltung, Lorsch

Dietmar E. Hofmann-Leitmeritz / Maler + Grafiker, St. Julian

Christel Stukowski / Papierobjekte, Darmstadt

Nicole Thoss / Keramikgestalterin, Höhr-Grenzhausen

 

Der Bergsträßer Anzeiger schrieb über die Ausstellung:

Wenn die Werkstatt zur Kunsthalle wird

Der "Stallgeruch macht das Besondere der Ausstellung aus. Mittendrin, dort wo tagtäglich Späne fliegen und gehobelt wird, wo Schreiner Tische, Stühle und Schränke aus hochwertigem, exklusivem Massivholz zimmern, stellten am Wochenende fünf Künstler - zwei Frauen und drei Männer - ihre Werke aus. Bilder und Objekte hingen nicht wie sonst in Galerien üblich dekorativ ausgerichtet an kalkweißen Wänden. Die Anschauungsobjekte präsentierten sich dem Betrachter völlig unglamourös, dafür aber umso wirkunsvoller und glaubwürdiger auf Sägen und Fräsen, auf der Werkbank, im Hof und dort, wo im Handwerksbetrieb gerade Platz war. Jeder der fünf Künstler hatte sein eigenes Refugium und stand bei Fragen Rede und Antwort. Die Werkstatt der Schreinerei Querholz an der Rheinstraße verwandelte sich an zwei Tagen in eine Kunsthalle, in der es jede Menge zu entdecken gab. Seit dem Jahr 2000 lädt Inhaber Andreas Brosy im Zwei-Jahres-Rhythmus verschiedene Künstler zu der Veranstaltung "Kunst bei Querholz" ein. Dieses Mal stellten der Darmstädter Max Udo Bauer, der Lorscher Metallbauer und Kunstschmied Jürgen Heinz, der Maler und Grafiker Dietmar E. Hoffmann-Leitmeritz, die gelernte Architektin und Gestalterin von Papierobjekten, Christel Stukowski aus Darmstadt, und die Keramikgestalterin Nicole Thoss aus.

Spaß machte die Werkstatt-Schau allemal. Und Spaß hatte auch Max Udo Bauer. Der Bildhauer, der sein Atelier in Bessungen hat, bevorzugt Modelliertechniken in den Materialien Ton, Wachs sowie Gips und kreiert und widmet sich besonderes gern figürlichen Themen. Etlichen seiner Skulpturen, wie dem "Bischofskäfer" - auch Schildkröte genannt - oder dem Liebespaar "König und Königin", die ( Originalton Bauer ) "scharf aufeinander sind, aber Haltung bewahren müssen", sitzt der Schalk im Nacken. Laut eigener Ausage Bauers ist die feine Ironie seine Spezialität. Bekannt ist der vielseitige Bildhauer auch für seine Porträtstudien, seine Tierfiguren, seine Fabelwesen, seine Plastiken und Fassaden-Reliefs.

Schon zum zweiten Mal bei Querholz mit von der Partie war der Künstler und Handwerker Jürgen Heinz. Der Lorscher Metallbauer, dessen größte Skulptur vier Meter hoch ist und dessen kleinste Arbeit gerade einmal vier Zentimeter misst, schafft perfekt den Spagat vom rustikalen Gebrauchsobjekt zum filigranen Kunstgegenstand. Er kann beides und ist sich nicht zu schade dafür. Publikumsliebling Nummer eins ist derzeit sein "fliegender Fisch", den er auf fünf dünne Stelen gestellt hat. Kopf, Körperteile und Flossen lassen sich einzeln bewegen und schaukeln sanft hin und her: "So scheinte es, als ob er durchs Wasser gleitet".

Tolle Hingucker waren die Arbeiten der beiden Künstlerinnen. Die Keramikgestalterin Nicole Thoss sagt von sich selbst, dass sie "ein Faible für alte Dinge hat und kein Buntmensch" ist. Sie mag gedeckte Farben - und als einzige Ausnahme, die Farbe Rot. Mit Ton, aber auch einem Stapel Fotos, Zeitungsausschnitten, Computer und Fotokopiergerät entstehen auf ihren Keramikobjekten, Gefäßen und Wandbildern im Umdruckverfahren zwei und dreidimensionale Bildcollagen. Viele von ihnen zeigen Straßenzüge.

Christel Stukowski, die zweite Künstlerin bei Querholz, kreiert luftig-leichte Objekte aus Transparentpapier und gefärbten Teefiltern. Durch eine spezielle Knitter- und Falttechnik und einem zarten Hauch Farbe erhalten die filigranen Wandbilder eine einzigartige Struktur. Jedes der duftigen Objekte hat seinen eigenen Charakter. Einige ähneln asiatischen Gebetsfahnen. Als Rahmen verwendet die Künstlerin dünne Bambusstäbchen und Kupferdraht.

Nicht zu übersehen waren die mystischen, geheimnisvollen Traumbilder, die visionären Landschaften und die bunten Fabelwesen des letzten der fünf Künstler in der Querholz-Werkstatt. Es war die exakt 138. Ausstellung des Tausendsassas und Allrounders Dietmar E. Hofmann. Dass sich der Grafiker und Maler in keine Schubladen zwängen lässt und vor Lebensfreude und Experimentierlust nur so strotzt, war nicht zu übersehen. Er selbst spricht von "ganz versponnenen Arbeiten". Für nur jeweils zehn Euro verkaufte Dietmar E. Hofmann einige seiner so genannten  "Essen-gehen-Bilder". Vom Erlös, teilte der Betreiber des "´Kleinen Kunstbahnhofs in Sankt Julian mit, gönne ich mir ein schönes Essen.