Kunst bei Querholz 2010

Hans Borchert / Maler/Zeichner/Grafiker, Bensheim

Carsten Rössling / Bildhauer, Lampertheim

Anna-Luise Schneider / Handweberei für Exquisites, Heppenheim

Cony Welcker / sculptures and more, Mannheim

 

Der Bergsträßer Anzeiger schrieb über die Ausstellung:

Die Werkstatt als Ausstellungshalle

Alle zwei Jahre lädt Andreas Brosy ausgewählte Künstler und Kunsthandwerker zu einer Präsentation in seine Schreinerei an der Rheinstraße ein . "Kunst bei Querholz" ist ein kontrastreiches Treffen der Kreativen in einer außergewöhnlichen Werkstatt-Atmosphäre zwischen Produktion und Holzlager, Sägen und Fräsen. Und eine Verschmelzung von Kunst und Handwerk, bei der Besucher hautnah im Spannungsfeld von Funktionalität, Ästhetik und persönlicher Aussage unterwegs sind. Zehn Jahre nach der Premiere hatte der Inhaber und Mitbegründer der Firma eine facettenreiche Mischung ins Haus geholt. Die Werkstatt wurde zu einer Ausstellungshalle, in der man mit den Protagonisten und ihren Arbeiten auf Tuchfühlung gehen konnte. Ein zwangloser Rahmen und professionelle Leidenschaft gehören bei Querholz ohnehin zum Inventar. Massenware wird man hier keine finden. Genau wie bei Anna-Luise Schneider. Die Heppenheimerin besitzt zwei Webstühle und ein einzigartiges Gespür für die Textur ihrer Materialien. In ihrer Handweberei fertigt sie exquisite Unikate in den Bereichen Wohntextilien und Accessoires. Luxuriöse Seidenschals von zart-festem Griff, filigran gearbeiteten Tisch-Schmuck und Überdecken von zeitloser Schönheit. Die gelernte Weberin folgt keiner kurzlebigen Mode, sondern nur ihrem guten Geschmack. Ihre stofflichen Kunst-Werke sind Miesterstücke von bleibendem Wert. Und zu einem Preis, der die enorm langwierige Fertigung der Teile nicht annähernd aufzuwiegen scheint.

Irgendwann hatte Conny Welcker die ewig gleichen Akte mit den begrenzten Posen und Ausdrucksformen satt. Und weil die Mannheimerin eine Frau der Tat ist, hat sie ihre Figuren einfach in einen anderen, humoristischen Kontext überführt. Für die Zeichnerin und Bildhauerin sind ihre Akt-Cartoons Ausdruck von künstlerischer Freiheit und persönlichem Non-Konformismus. Flankiert werden die Bilder von kurzen, meist spontan geborenen Anmerkungen, die das Motiv kommentieren oder einfach nur Senfgeber für den visuellen Eindruck sind. Welckers Skulpturen  reflektieren ihre ästhetische Virtusosität, physische Kraft und emotionale Sensibilität. Sie offenbaren, dass hier eine Meisterin des Fachs am Werk ist. Die Künstlerin liebt den unmittelbaren Moment der Bearbeitung, bei der jeder Handgriff Spuren zurücklässt. Heraus kommen elementare Monumente, fantsievolle Objekte aus Marmor, Stein und anderen Materialien, die stets die individuelle Handschrift der Künstlerin zeigen. 

"Eigentlich mache ich was ganz Anderes", meint Carsten Rössling. Der Lamperheimer ist gelernter Installateur- und Heizungstechniker. Das künstlerische Gestalten begleitet ihn schon seit seiner Jugend. Seine Skulpturen vereinen Kraft und Geist, Kopf und Hand in einem kontrastreichen Material-Mix aus Holz, Metall und Stein. Aus Fundstücken gestaltet er mannshohe Objekte, aus alten Holzbalken werden minimalistische Skulpturen von rauer, lebendiger Struktur. Die Leidenschaft für Massivholz ist kaum zu übersehen. Seien Energie zum grenzenlosen Experimentieren ebenfalls nicht.

Hans Borchert war bei Querholz mit einigen seiner jüngsten Werke vertreten. Der in Bensheim lebende Maler, Zeichner und Grafiker präsentierte Zeichnungen, die gleichsam eine Entfernung wie auch eine konsequente Weiterentwicklung seiner bisherigen Arbeiten sind. Die typische Borchersche Bewegungsdynamik und anatomishe Perfektion zeigen sich hier transparenter, spontaner und leichter. Mit virtuosem Graphitstift kompniert der Künstler minimalischtische figürliche Szenen, die mit ihrer subtilen oder offenen Erotik den Betrachter verführen. Zum banalen Voyeur wird er dabei niemals. Der Kontrast von Farben und schwarz-weißer Skizzenhaftigkeit erzeugt einen unvollendeten Eindruck, der den Bildern eine besondere Flüchtigkeit verleiht. Die Zeichnungen sind nicht hinter Glas und auf einer dünnen Holzplatte vor einem kastenartgien farbigen Rechteck installiert, was die räumliche Wirkung der Bilder noch erhöht.

Eine schön komponierte Werkstatt-Ausstellung, die in zwei Jahren zum siebten Mal stattfinden wird.