Kunst bei Querholz 2000


Ed E. Bryant / Totems und Masken, Bensheim

Ulrich Heinecker / Drechsler, Bensheim

Doris Pauling / Schmuckdesign, Bensheim

Emil Heger / Keramik, Höhr-Grenzhausen

Ludwig März / Fotografie, Zwingenberg

Wolfgang Völker / Bildhauer, Bensheim

 

Der Bergsträßer Anzeiger schrieb zur Ausstellung:

Objekte zwischen Handwerk und Kunst

Künstlerisches Handwerk oder handwerkliche Kunst ? Im Unternehmen Querholz an der Rheinstraße waren beide Seiten vertreten. Als Pendler zwischen den Welten schauten rund 200 Besucher den Künstlern und Handwerkern bei ihrer Arbeit über die Schulter.

Gleich am Eingang empfing der Bensheimer Bildhauer Wolfgang Völker die Gäste. Mitgebracht hatte er einen großen Steinblock aus gelbem Sandstein, aus dem eine abstrakte Figur entstehen sollte. Das Ergebnis hatte der Künstler zwar klar vor Augen, der Weg dorthin ist jedoch weit und an einem Nachmittag nicht zu meistern. Neben dem Unvollendeten hatte Völker auch "Fertiges" mitgebracht. Weitere Objekte konnte er wegen ihrer Größe und Schwere nur auf Fotografien zeigen. Apropos Wolfgang Völker: Geradezu ein Markenzeichen des Künstlers sind jene straußenähnlichen Vögel, die auf ihren zierlichen Beinen ein schweres Gewicht tragen. Auch die stolzen "Metallvögel" hatten sich vorübergehend bei Querholz eingenistet.

Edle und filigran gerbeitete Schmuckstücke aus Gold uns Silber zeigte Doris Pauling. Der facettierte Mondstein, in gelbem Feingold gefasst, entfachte seine schimmernde Wirkung durch das helle Goldgelb. Angesichts der Größe des Steins wirkt der Ring besonders modisch und mondän. Ein weiteres Beispiel ihres Schaffens  ist eine prächtige Kette aus Aquamarin. Mit ihren verschiedenen geometrischen Figuren, die wiederum durch Süßwasserperlen miteinander verbunden sind, fällt sie ebenfalls recht großflächig aus.

Aus einem anderen Holz geschnitzt sind die Arbeiten von Ed E. Bryant. Er vermittelt nicht nur indianische Kultur, sondern lebt auch in ihr. Die Totems und Masken spiegeln die Spiritualität  seines Volkes, der Tsimshian-Indianer wider. Die langen Totempfähle erzählen Geschichten aus der Mythologie, in der Tiere eine besondere Rolle spielen. Die Tierzeichen geben gleichermassen Auskunft über Familienzugehörigkeit, Familienstand und Reichtum der Hausbewohner. In der Welt der indianischen Mythologie sind auch Bryants holzgeschnitzte Masken zu Hause. Da erscheint der Wassergeist - die Frau des Herrn der Meere- in Zedernholz. Besonders spannend: Der Geist spiegelt sich in seinen eigenen Augen. Im Übrigen soll, wer den Herrn der Meere trifft, von Reichtum gesegnet sein.

Ulrich Heinecker aus Bensheim bearbeitet zwar auch Holz, sein Metier ist jedoch das Drechseln. Dekorationsgegenstände waren ebenso unter den Exponaten zu finden wie kunstvoll gefertiget Schachfiguren. Besonders reizvoll fallen seine Fantasiegebilde aus. Die 12 Zentimeter großen Figuren setzen räumliche Formen wie Halbkugel, Kugels oder Dreieck so aufeinander, dass sie nicht auf einer Achse stehen.

Zu einem anderen Material greift Emil Heger aus Höhr-Grenzhausen. Imposant kommen seine schmalen, 1,10 Meter hohen Vasen daher, die wie ein Spiel zwischen statischer Form und Bewegung wirken. Sie suggerieren, dass  man sie nach oben endlos weiterführen kann. Den Gegenpol hierzu stellen niedrige vasenförmige Gefäße dar, die jedoch fast geschlossen sind. Die Glasur schafft zusätzlich eine farbliches Spannungfeld - mit hellem und dunklem, glänzendem und mattem Anstrich.

Ludwig März arbeitet auf einem ganz anderen Terrain. Bei dem Fotografen stehen alltägliche Dinge im Vordergrund, die farblich verfremdet und fokussiert erscheinen. Die Serie "Wein" zum Beispiel, die ebenso wie weitere Fotoserien als Kalender erschienen sind, ist ein Spiel mit kräftigen, grellen Farben. Thema des jüngsen März-Kalenders ist Bolivien. Das Lachen der Inkankinder, die in einem kargen, menschenfeinliche wirkenden Hochland zu Hause sind, steht in eklatantem Widerspruch zu ihren Lebensbedingungen. Der Künstler faßt damit ein Anliegen in Bilder, das ihm besonders am Herzen liegt. Er will auf die Lebensbedingungen der Bevölkerung vor allem in den Bergregionen aufmerksam machen und mit Projekten vor Ort helfen. Diesem Ziel hat sich der Verein Inti Runa ( zu Deutsch: Kinde der Sonne ) verschrieben, dessen Vorsitzender März ist.

Das i-Tüpfelchen des Tages war eine Querholz-eigene Ausstellung mit Möbeln, die nicht nur handwerklich solide gefertigt sind, sondern auch eine künstlerische Note tragen. Angesichts der großen Besucherresonanz zeigte sich der Initiator der Ausstellung, Andreas Brosy, mehr als zufrieden.