Kunst bei Querholz 2006

Jürgen Heinz / Atelier für Metallgestaltung, Lorsch

Hermann Freymadl / Natursteinwerkstätte, Gernsheim

Doris Laubner / Textil, Darmstadt

Andreas Brosy / Querholz, Bensheim

 

Der Bergsträßer Anzeiger schrieb zur Ausstellung:

Professionelle Collage aus Holz, Stahl, Stein und Stoff

Ein unaufdringlicher, dezent würziger Holzgeruch hat es sich in der Produktionshalle gemütlich gemacht. Mittendrin ein Esstisch aus fein gemasertem Nussbaumholz, der auf elegant geschwungenem, barockartig feinen Stahlbeinen zu schweben scheint. In seiner Nachbarschaft ragt ein Kerzenhalter empor, der in seiner schlanken reduzierten Art an eine Skulptur von Alberto Giacometti erinnert. Eine Komposition aus Holz und Stahl, die vollendete Ästhetik mit trivialer Nutzbarkeit verbindet. Der kollektive Bedarf nach funktionaler Gebrauchtware wird mit nicht konfektionierten Wohn-Innereien beantwortet - seit 15 Jahren beschränkt sich Andreas Brosy auf einen unmodischen und daher zeitlosen Möbelstil, der die Funktion des Objekts nicht mit seinem Design erschlägt oder wenigstens schwer verwundet.

Kein Platz für Massenware, bestenfalls verlassen Kleinserien die Werkstatt an der Rheinstraße, wo man die Stationen des Werdens auf ein, zwei Blicken nachvollziehen kann: hier das Lager, dort das Büro samt Ausstellungsraum, und mittendrin die Sägen und Fräsen, an denen aus Brettern und Stämmen exklusive Massivholzmöbel werden.
Am Wochenende hat Brosy das Haus in eine Kunsthalle verwandelt. Zum dritten Mal trafen sich bei „Querholz“ handwerkliche Künstler und kreative Handwerker zu einer professionellen Collage aus Holz und Stahl, Stein und Stoff, die Vertreter diverser Sparten unter einem Dach zusammengebracht hat. Eine Werkschau im Grenzbereich, die trotz aller Unterschiede eine gemeinsame Klammer zur Betonung brachte: „Auch Kunst ist Handwerk. Und Handwerk ohne Intuition bleibt kalt und unpersönlich“, sagt Andreas Brosy, der sich mit dem Lorscher Metallbauer und Kunstschmied Jürgen Heinz („Schmelzpunkt 1450“) auf die Konzeption und Fertigung individuell gestalteter Skulpturen und Gebrauchsobjekte gleichsam verständigt hat. Die Harmonie von europäischen Hölzern wie Ahorn, Esche und Robinie mit der eleganten Kühle des Stahls betont den Gleichklang von Form und Funktion, der vom spezifischen Charakter jedes der beiden Werkstoffe getragen wird. Bei den Möbeln bestimmt die Zweckmäßigkeit den Entwurf, während die Solo-Objekte von Jürgen Heinz den Stahl als organisches Element begreifen: der Entstehungsprozess betont den schöpferischen Einklang von Mensch, Eisen und Feuer - aus rotglühendem Stahl werden dynamische Plastiken und originelle Skulpturen, die dem Auge gefallen und eine haptische Anziehungskraft ausüben.

Elementare Erlebnisse ermöglichen auch die Objekte des Gernsheimer Steinbildhauers Hermann Freymadl. Die Bearbeitung von Naturstein zählt zu den ältesten Handwerkskünsten und ermöglicht ein kreatives Spielen und Ausloten von traditioneller und aktueller Formensprache. Das Material vermittelt sinnliche Reize und den Eindruck des dauerhaft Schönen. Alltägliche Gebrauchsgegenstände wie Tische und Garderoben sowie Skulpturen und Objekte aus Buntsandstein oder Granit vermitteln Ursprünglichkeit, ohne sich dem Anspruch von exklusiver Wohnausstattung zu verschließen.

Schnörkellos und elegant
Auch mit seinen individuellen Grabzeichen hat Hermann Freymadl zeitlose Ästhetik mit dauerhaftem Material vereint. Keramik und Textil sind die Ausdrucksmittel von Doris Laubner aus Ober-Ramstadt, die in Bensheim vor allem mit Ihren Keramikgefäßen und -Unikaten aufgefallen ist. Die asiatisch anmutenden Schalen und Teller gehorchen dem Anspruch von überdauernder Eleganz und schnörkelloser Funktionalität.

In aufwendiger Handarbeit und Verarbeitung entstehen textile Einzellstücke, die untereinander beliebig kombinierbar sind - bleibende Werte zum Anziehen und Garnieren der individuellen Persönlichkeit des Trägers. Das Überdauern kurzfristiger Moden und die unbemühte Verbindung von Handwerkskunst und Kunsthandwerk war der gemeinsame Nenner von „Kunst bei Querholz“. Eine Ausstellung, die jedem Sinne nachwirkt und hoffentlich eine Fortsetzung erfährt.